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Lenins 100. Todestag

Stalins Würdigung an Wladimir Iljitsch Uljanow

Lenin, bürgerlich Wladimir Iljitsch Uljanow, geboren am 22. April 1870, gestorben vor genau 100 Jahren am 21. Januar 1924, Klassiker des Marxismus-Leni­nismus, genialer Führer und Vordenker der Arbeiterklasse wie aller Werktätigen, Theoretiker und Revolutionär, Be­gründer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), ein Kommunist. 
Schon während seines Jurastudiums (1887) lernte Lenin den Marxismus kennen und wurde überzeugter Revolutionär. Nach externer Ablegung des juristischen Staatsexamens 1891 wandte er sich ganz der revolu­tionären Arbeit zu. 1892 übersiedelte er nach Petrograd (heute Leningrad), wo er Anführer der Marxisten und der russischen Arbeiterbewegung wurde.

Es lohnt sich immer wieder, von Lenin und über Lenin zu lesen. Um so mehr, als dies von einem berichtet wird, der Lenin so gut kannte wie kaum ein anderer: Generalissimus Iosef Wissarionowitsch Stalin. Lenin ist, auch für uns heute, nicht nur wegen seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit, sondern auch wegen seines hohen staatsmännischen Geschicks, seiner Prinzipientreue, seiner Aufrichtigkeit und nicht zuletzt wegen seiner Liebe zum einfachen Volk ein leuchtendes Vorbild. Dasselbe kann man auch von Generalissimus Stalin sagen. 

In seiner Rede auf einem Gedenkabend der Kremlkursanten am 28. Januar 1924, vor Tage nach Lenins Tod, charakterisierte Iosef Wissarionowitsch Stalin die Eigenschaften Lenins folgender Maßen:
,,Es gilt als ausgemacht, dass ein „großer Mann“ sich gewöhnlich zu den Versammlungen verspätet, so dass die Versammlungsteilnehmer klopfenden Herzens auf sein Erscheinen warten, wobei vor dem Erscheinen des „großen Mannes“ ein Raunen durch die Reihen der Versammlungsteilnehmer geht: „Pst…Ruhe… er kommt.“ Diese Zeremonie schien mir nicht überflüssig, denn sie imponiert, flößt Achtung ein. Wie groß war aber meine Enttäuschung, als ich erfuhr, dass Lenin schon vor den Delegierten zur Versammlung gekommen war und in irgendeiner Ecke schlicht und einfach ein Gespräch führte, ein ganz gewöhnliches Gespräch mit ganz gewöhnlichen Konferenzdelegierten. Ich verhehle nicht, dass mir dies damals als eine gewisse Verletzung gewisser notwendiger Regeln erschien. Erst später begriff ich, dass diese Schlichtheit und Bescheidenheit Lenins, dieses Bestreben, unbemerkt zu bleiben oder jedenfalls nicht aufzufallen und seine hohe Stellung nicht hervorzukehren – dass dieser Zug eine der stärksten Seiten Lenins ist, dieses neuen Führers neuer Massen, der einfachen und gewöhnlichen Massen der „untersten“ Schichten der Menschheit.

Ausgezeichnet waren zwei Reden Lenins, die er auf dieser Konferenz (1905 in Tammersfort/Finnland) hielt: über die gegenwärtige Lage und über die Agrarfrage. Leider sind sie nicht erhalten geblieben. Es waren zündende Reden, die die ganze Konferenz in stürmische Begeisterung versetzten. Die ungewöhnliche Überzeugungskraft, die Einfachheit und Klarheit der Beweisführung, die kurzen und allgemeinverständlichen Sätze, das Fehlen jeder Pose, das Fehlen aller auf Eindruck berechneten schwindelerregenden Gesten und effektvollen Phrasen – all das unterschied Lenins Reden vorteilhaft von den Reden gewöhnlicher „Parlamentsredner“. Aber mich fesselte damals nicht diese Seite der Reden Lenins. Mich fesselte jene unüberwindliche Kraft der Logik in Lenins Reden, die zwar ein wenig trocken ist, dafür aber die Zuhörerschaft völlig in ihren Bann zieht, sie allmählich elektrisiert und sie dann, wie man zu sagen pflegt, restlos gefangen nimmt. (…) Ich glaube, dass diese Besonderheit der Reden Lenins die stärkste Seite seiner Rednerkunst ist.

Ich entsinne mich, wie wir bolschewistischen Delegierten, eng zusammengedrängt, auf Lenin blickten und ihn um Rat fragten. Die Äußerungen mancher Delegierten verrieten Müdigkeit, Niedergeschlagenheit. Ich erinnere mich, wie Lenin als Antwort auf solche Reden bissig durch die Zähne hervorstieß: „Lamentieren Sie nicht, Genossen, wir werden sicher siegen, denn wir haben recht.“ Hass gegen lamentierende Intellektuelle, Glauben an die eigenen Kräfte, Glauben an den Sieg – darüber sprach damals Lenin mit uns. Man fühlte, die Niederlage der Bolschewiki ist nur vorübergehend, die Bolschewiki müssen in nächster Zukunft siegen. „Nicht lamentieren im Fall einer Niederlage“ – das ist gerade jene Besonderheit in Lenins Wirken, die ihm half, eine grenzenlos ergebene und auf ihre Kräfte vertrauende Armee um sich zusammenzuschweißen.

Der Sieg pflegt manchen Führern zu Kopf zu steigen, sie hochmütig und überheblich zu machen. Meist beginnen sie in solchen Fällen den Sieg zu feiern, auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Lenin aber glich solchen Führern nicht im geringsten. Im Gegenteil, gerade nach dem Sieg wurde er besonders wachsam und vorsichtig. Ich erinnere mich, wie Lenin damals den Delegierten nachdrücklich auseinandersetzte: „Erstens darf man sich vom Sieg nicht berauschen lassen und überheblich werden, zweitens muss man den Sieg verankern; drittens muss man den Gegner vernichten, denn er ist nur geschlagen, aber bei weitem noch nicht vernichtet.“ Mit beißendem Spott überschüttete er die Delegierten, die leichtsinnig versicherten: „Von nun an ist es aus mit den Menschewiki.“ Es war ihm ein leichtes zu beweisen, dass die Menschewiki noch immer in der Arbeiterbewegung wurzeln haben, dass man sie geschickt bekämpfen muss, wobei man die Überschätzung der eigenen Kräfte und besonders die Unterschätzung der Kräfte des Gegners auf jede Weise zu vermeiden hat. 

Parteiführer müssen die Meinung der Mehrheit ihrer Partei achten. Die Mehrheit ist eine Macht, mit der der Führer rechnen muss. Lenin verstand das nicht schlechter als jeder andere Parteiführer. Aber Lenin wurde niemals zum Gefangenen der Mehrheit, besonders, wenn diese Mehrheit keine prinzipielle Basis hatte. Es gab Momente in der Geschichte unserer Partei, da die Meinung der Mehrheit oder die Augenblicksinteressen der Partei mit den Grundinteressen des Proletariats in Konflikt gerieten. In solchen Fällen trat Lenin ohne Bedenken entschlossen für die Prinzipientreue ein und wandte sich gegen die Mehrheit der Partei. Mehr noch, er scheute sich nicht, in solchen Fällen buchstäblich einer gegen alle aufzutreten, wobei er davon ausging – wie er oft sagte –, dass „prinzipienfeste Politik die einzig richtige Politik ist“.

Theoretiker und Parteiführer, die die Geschichte der Völker kennen, die die Geschichte der Revolutionen von Anfang bis Ende studiert haben, sind zuweilen von einer peinlichen Krankheit befallen. Diese Krankheit heißt Scheu vor den Massen, Unglaube an die schöpferischen Fähigkeiten der Massen. Auf diesem Boden entsteht manchmal ein gewisser Aristokratismus der Führer den Massen gegenüber, die zwar in der Geschichte der Revolutionen nicht bewandert, aber berufen sind, das Alte niederzureißen und das Neue aufzubauen. Die Furcht, dass das spontane Element entfesselt werden könnte, dass die Massen „allzu viel zerstören“ könnten, der Wunsch, die Rolle eines Schulmeisters zu spielen, der die Massen nach Büchern zu lehren sucht, aber nicht von den Massen lernen will – das ist die Grundlage dieser Art von Aristokratismus.

Lenin war das gerade Gegenteil solcher Führer. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so fest an die schöpferischen Kräfte des Proletariats und an die revolutionäre Zweckmäßigkeit des proletarischen Klasseninstinkts geglaubt hätte wie Lenin. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so schonungslos die selbstgefälligen Kritiker des „Chaos der Revolution“ (…) zu geißeln verstanden hätte wie Lenin. Ich erinnere mich, wie Lenin während eines Gesprächs auf die Äußerung eines Genossen, dass „nach der Revolution die normale Ordnung wiederhergestellt werden muss“, sarkastisch bemerkte: „Es ist schlimm, wenn Menschen, die Revolutionäre sein wollen, vergessen, dass die normalste Ordnung in der Geschichte die Ordnung der Revolution ist.“

Daher Lenins Geringschätzung gegen alle diejenigen, die auf die Massen von oben herabsahen und sie nach Büchern lehren wollten. Daher Lenins unermüdliche Mahnung: Von den Massen lernen, den Sinn ihres Handelns erfassen, die praktische Erfahrung des Kampfes der Massen sorgfältig studieren. Glaube an die schöpferischen Kräfte der Massen – das ist gerade jene Besonderheit im Wirken Lenins, die es ihm ermöglichte, das Walten des spontanen Elements zu erfassen und seine Bewegung in die Bahn der proletarischen Revolution zu leiten. (…)"
aus:
J. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1952, Bd.6, S.47-57

Lenin mag vor 100 Jahren verstorben sein, doch sein Erbe lebt weiter. Es ist an uns seine Vision des Kommunismus umzusetzen.
von ASKL

Neoliberale Unterwanderung der Linken

Der traurige Zustand der antikapitalistischen Bewegung

Gerade jetzt braucht es eine starke, geschlossen handelnde Linke, die das Ruder herumreißen könnte: Es bedarf den krisengeschüttelten Kapitalismus der Gegenwart umzustrukturieren oder idealerweise zu überwinden. Ist ein gemeinsames Handeln der Linken leider ein Wunschtraum. Die bürgerliche „linke“ Identitätspolitik hat die Linke schwer beschädigt - mit tatkräftiger Unterstützung der Kapitalisten.

Als „klassischer“ Linker mit marxistisch-leninistischem Anspruch fragt man sich nicht erst seit der Ukraine-Farce, aber mindestens seitdem, was mit der Linken insbesondere in Deutschland los ist. Und damit ist nicht allein die Partei ,,die Linke" gemeint. Frühere Selbstverständlichkeiten und politische Standards zählen nicht mehr. Denn das tonangebende Milieu, das sich selbst für links hält, ist heute weiter von einem Klassenbewusstsein entfernt, als es die Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts je waren. Deshalb seien einige Defizite der heutigen Linken aufgezeigt:
  • Selten bis gar nicht wird die klassische Eigentums- und Klassenfrage gestellt.
  • Die Verbindung mit der Arbeiterbewegung ist völlig ausgedünnt. Es herrscht Entfremdung vor.
  • Die Gefahr wächst, dass die inzwischen massenhaft Verarmten weitgehend sich selbst überlassen bleiben. Die Linkspartei muss, trotz guter sozialpolitischer Programme, aufpassen, dass sie eines ihrer „Kerngeschäfte“ nicht aufgibt.
  • Der Kampf um Frieden und Abrüstung ist ebenso in die letzte Reihe gerückt wie der Internationalismus, der einem bürgerlichen entpolitisierten ideologischen Mischmasch gewichen ist. Ehemalige Friedensfreunde wie die Grünen sind inzwischen zu Waffen affinen NATO-Freunden mutiert, die es nicht mehr abwarten können, erneut auf Barbarossas Spuren zu wandeln. Der US-Imperialismus wird nicht mehr durchgehend als Aggressor wahrgenommen wie früher. Im Gegenteil.
  • Die Narrative der Politik, insbesondere zu Covid-, Klima und Rüstungs-Maßnahmen, werden blind geglaubt und kaum noch infrage gestellt. Die Bildungslosigkeit insbesondere des linken „Nachwuchses“ ist erschreckend.
  • Vor diesem Hintergrund kann es kaum noch verwundern, dass die Kardinalfrage, nämlich die Überwindung des staatsmonopolistischen Kapitalismus als Ziel und wie man dieses erreicht, kaum noch eine Rolle spielt.
Sicherlich gibt es eine ganze Reihe von objektiven Gründen, die für diesen Zustand verantwortlich zu machen sind. Zu nennen sind zunächst die, die bereits einige Jahrzehnte zurückliegen, aber eine erhebliche Fernwirkung hatten:
  • Die nachgelassene Attraktivität des realen Sozialismus und westlicher kommunistischer Parteien seit den 1950/60er Jahren, die teilweise selbst verschuldet war, aber auch vom Klassengegner herbeigeführt wurde: Die Destabilisierung der westlichen kommunistischen Parteien im Rahmen geheimdienstlicher Operationen (Stichwort Gladio), die insbesondere in Italien die KPI betrafen, und die offene Verfolgung in der BRD, die zum Verbot der KPD führte.
  • Die endgültige Selbstentmachtung der Sozialdemokratie und die vollständige Sozialdemokratisierung der Arbeiterbewegung, das heißt ihre Überführung in die scheinbar klassenlose Sozialpartnerschaft.
  • Die Neuorientierung vieler Linken nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Blocks und der Sowjetunion und die Säuberung der Bildungseinrichtungen in den ostdeutschen Bundesländern von marxistischen Wissenschaftlern und Lehrkräften durch den „Sieger“ BRD nach dem Anschluss der DDR.
  • Nicht zu vergessen, „welche erheblichen Spuren die gut 30-jährige neoliberale Konterrevolution in Politik, Medien, Kultur sowie Bildungswesen und damit im Bewusstsein der Bevölkerung hinterlassen hat” 
Das nachgelagerte weltanschauliche und politische Vakuum begünstigte schließlich das Vordringen bürgerlichen, linksliberalen Gedankenguts, das auf einen fruchtbaren Boden bei orientierungslosen Linken fiel: postmoderne pseudolinke Ideologeme, die in der sogenannten Identitätspolitik gebündelt sind.
Vor den fatalen Auswirkungen bürgerlichen Denkens auf linke Politik hatte Walter Benjamin bereits 1931 in seiner Polemik gegen den kleinbürgerlichen Linksintellektualismus seiner Zeit gewarnt und ihn „als bürgerliche Zersetzungserscheinung“ bezeichnet, die „mit der Arbeiterbewegung (...) wenig zu tun“ habe. Und folgerte: „Kurz, dieser linke Radikalismus ist genau diejenige Haltung, der überhaupt keine politische Aktion mehr entspricht“ 
Dieser Kurzbefund Benjamins kann gut auf die aktuelle innere Konstitution der Linken übertragen werden, die tatsächlich in einer Zeit der fortgesetzten Außerkraftsetzung der Grundrechte und massiver Entdemokratisierung der Gesellschaft durch Handlungsunfähigkeit auffällt.
Stattdessen beschäftigt sie sich entweder mit sich selbst oder gefällt sich in der Rolle als bissiger Terrier im Dienste der Ampel-Regierung gegen linke Regierungs-Kritiker. Dabei spielt die seit Anfang der 1990er Jahre immer einflussreicher gewordene bürgerliche, auch linksliberal oder neoliberal bezeichnete Identitätspolitik eine wichtige Rolle. Bezeichnenderweise in den USA an einigen Universitäten und in kleinen politischen Zirkeln ausgebrütet, fand sie schließlich auch unter westeuropäischen kleinbürgerlichen Linksintellektuellen und subkulturellen Polit-Aktivisten nach und nach eine Anhängerschaft. Ihr Kerngeschäft ist die Geschlechter- und Minderheitengerechtigkeit, die auch eine Domäne der klassischen Linken war und bleiben wird.

Allerdings unterscheiden sich beide Politikansätze grundlegend voneinander. Denn die identitätspolitischen „Linken“ haben ein scheinbar hipperes, moralisierendes Politikverständnis „weg vom angestaubten Klassenkampfgetue der Vorväter“. Paradoxerweise steht für sie „nicht mehr die alte Eintracht“ im Vordergrund.
Deshalb ist die linksliberale Identitätspolitik „das Gegenteil historischer Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterbewegung. Ihr Fokus auf Anerkennung immer kleinteiligerer Gruppenidentitäten, die anhand ethnischer, sexueller, sozialer oder kultureller Aspekte konstruiert werden, zielt nicht auf Solidarität und Gemeinsinn, sondern auf Subjektivität und Ausschluss ab. Statt um universalistische Forderungen nach schrankenlosen Zugängen zu Bildung, Gesundheit, Wohlstand und Teilhabe geht es um Sonderrechte“. 

Mit dem Ergebnis: Die Revolution wird zugunsten ‚kleiner Schritte‘ (dazu zählen dann stumpfsinnige Streitereien über Wörter und ‚Narrative‘) aufgegeben, man zieht sich in die Subjektivität zurück, man verneint den Klassenkampf, erhebt ‚meine‘ besondere Unterdrückung über ‚deine‘ und gelangt so schließlich zu einer fortschreitenden Zerteilung der Bewegung bis hin zu ihrer Atomisierung, und wird so Teil der neoliberalen Agenda.
Vor diesem Hintergrund neigen die verschiedenen postkolonialen und LGBT-Communities dazu, ihre abgesteckten Positionen nicht nur aggressiv zu verteidigen, sondern auch zu erweitern. In Universitäten, Redaktionen und im Kulturbetrieb mittlerweile weit verbreitet, haben sie inzwischen auch jene Parteien durchdrungen, die einmal zur Linken gezählt wurden: Ganz vorne weg die Grünen, aber auch in der SPD sind sie, vor allem über die Jugendorganisationen, inzwischen ebenso angekommen wie in der Linkspartei. Dort versuchen sie, ihre Agenden aggressiv durchzusetzen, die nicht nur diesen Parteien, sondern der Gesamtlinken und letztlich auch den betroffenen Minderheiten aktuell und auf lange Sicht allerdings mehr Schaden als Nutzen bringen. Denn:
Durch ihren extrem akademischen und bevormundenden Diskurs trägt die postmoderne Identitätslinke wesentlich zur immer weiteren Entfremdung ‚der Linken‘ (...) von den am meisten unterdrückten und abgehängten Teilen der Arbeiterklasse bei, die sich durch die Politik der postmodernen Identitätslinken in ihren realen Problemen nicht nur nicht ernst genommen, sondern angegriffen und verhöhnt fühlen.
Deshalb ist es kein Wunder und nachvollziehbar, dass die große Mehrheit der Bevölkerung mit Identitätspolitik nichts am Hut hat. Diese neuen linken sind alles andere als links. Man kann sie als ,,progressisv Rechts" einordnen.

Um die Diskurshoheit zu gewinnen und zu halten, ist den Anhängern des identitätspolitischen Linksliberalismus jedes Mittel recht. Unwillig oder unfähig zur Debatte agieren sie polemisch zuspitzend, indoktrinieren einseitig-rabiat, unversöhnlich und dogmatisch und machen selbst nicht davor Halt, Andersdenkende unter der Linken öffentlich persönlich zu verleumden und beruflich zu zerstören. Eine, die es wissen muss, ist Sahra Wagenknecht:
„Das, was heute Linksliberalismus genannt wird, sollte wegen seiner ausgeprägten Intoleranz eigentlich ‚Linksilliberalismus‘ heißen.“

Die mit der Identitätspolitik einhergehende sogenannte ,,Cancel Culture", mit anderen Worten Zensur und Diffamierung, ist deshalb gefürchtet. Parteien, Unternehmen, Redaktionen und Einzelpersonen knicken oft sofort ein, sollte sich ein hysterischer Shitstorm ankündigen.
Tatsächlich ist es das Ziel von Cancel Culture, „Menschen mundtot zu machen“, bringt es Jens Berger auf den Punkt. Und zwar mithilfe der „systematische Boykottierung, Verbannung und Annullierung von Werken und Personen aus dem öffentlichen Leben. Eine Anti-Aufklärung, die Intoleranz im Namen der Toleranz pflegt, ein Volksgerichtshof der politischen Korrektheit.“
Was und wer politisch korrekt ist, bestimmt mittlerweile das unsichtbare mittelalterliche Inquisitionstribunal der „Queerdenker“ aller Schattierungen. Verpackt in verqueren, ja hermetischen Sprachcodes, die keinen Anspruch darauf erheben, von der von ihnen verachteten großen Masse verstanden werden zu sollen, kommen ihre Thesen als Dogmen daher: theoretische Versatzstücke aus dem Arsenal idealistischen poststrukturalistischen Denkens, die übrigens stramm anti-marxistisch ausgerichtet und in ihrer Absurdität kaum noch zu übertreffen sind.
Wer nicht auf der politisch korrekten Linie liegt, der läuft Gefahr, in den sozialen Medien „mit dem rhetorischen Baseballschläger“ eines hysterischen Mobs Bekanntschaft zu machen, so der US-amerikanische Linguistikprofessor John McWhorter über die Woke-Kultur und Cancel Culture, die seiner Meinung nach „zu einer Gefahr für Meinungsfreiheit und Demokratie“ werden.

Wer zum Beispiel die normativ gesetzte Non-Binarität kritisiert, muss damit rechnen, medial angefeindet zu werden. Da wird selbst eine Feministin wie die ,,Harry Potter" Autorin Joanne K. Rowling nicht verschont. „Die Autorin hatte sich beispielsweise über einen Post im Internet lustig gemacht, in dem von ‚Menschen, die menstruieren‘ die Rede war, und sarkastisch gefragt, warum man nicht einfach ‚Frauen‘ schreiben könne. Weiter äußerte sie, eine Frau zu sein sei eine biologische Tatsache und kein Konstrukt.“

Wie einflussreich die Identitäts„linke“ geworden ist, zeigen Vorgänge zum Beispiel an der Universität Kassel. Wer dort den Gender-Neusprech verweigert, muss aufpassen, in seinem Studium nicht benachteiligt zu werden. Die Leitung der Universität lässt es zu, dass Studierende offensichtlich den identitätspolitischen Ansichten ihrer Dozenten in problematischer Weise ausgeliefert sind. Wer weiterhin traditionell schreibt, also das generische Maskulinum „geschlechtsneutral“ verwendet, wird sanktioniert - durch eine schlechtere Benotung seiner Arbeit: ein rechtlich höchst zweifelhafter Zustand.  Menschen unter Strafe vorzuschreiben, wie sie schreiben sollen, ist einfach nicht hinnehmbar. Benotet werden darf ausschließlich die Leistung.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seiner Empfehlung zur geschlechtergerechten Schreibung vom 26. März 2021 deutliche Grenzen gezogen hat und grundsätzlich kritisiert: „Für den Hochschulbereich erscheint fraglich, ob die Forderung einer ‚gegenderten Schreibung‘ in systematischer Abweichung vom Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung für schriftliche Leistungen der Studierenden und die Berücksichtigung ‚gegenderter Schreibung‘ bei deren Bewertung durch Lehrende von der Wissenschaftsfreiheit der Lehrenden und der Hochschulen gedeckt ist. Hochschulen und Lehrende haben die Freiheit des Studiums nicht nur bei der Wahl von Lehrveranstaltungen, sondern auch bei der Erarbeitung und Äußerung wissenschaftlicher Meinungen der Studierenden zu beachten und zu schützen“
Das Allerschlimmste ist, und das sollte in diesem Zusammenhang nie übersehen werden:
Die Cancel Culture und die scheinbar politisch korrekte Gendersprache der Identitäts„linken“ zielt auch darauf ab, das Denken in seiner ganzen Universalität massiv einzuschränken und zu verengen.

Auch die postkoloniale Fraktion der Identitäts„linken“ beteiligt sich intensiv an der Zensur und des Ausschlusses. Im Gegensatz zur US-amerikanischen Black Panther Party in den 1960er und 1970er Jahren, in der es für erhebliche Teile ihrer Anhängerschaft noch selbstverständlich war, keinen Rassenkampf, sondern einen Klassenkampf zu führen und breite Bündnisse anzustreben, legt die relativ neue Bewegung Black Lives Matter (BLM) zum Beispiel, die nach zahlreichen Ermordungen von Afroamerikanern durch weiße Polizisten in den USA einen Aufschwung erlebte, keinen Wert mehr auf antikapitalistische Positionen wie noch zu ihrem Beginn. Außerdem kommt die postkoloniale Identitätspolitik der herrschenden Innenpolitik der USA entgegen, die seit vielen Jahrzehnten darauf setzt, die verschiedenen Ethnien erfolgreich gegeneinander auszuspielen.
Noch bis vor kurzem bekannte sich BLM zum Widerstand gegen die Trans-Pazifische Partnerschaft (TPP) oder zur Zerschlagung der Großbanken; mittlerweile ist von diesem Anti-Globalisierungs- und Anti-Kapitalismus-Gedröhn nichts mehr zu bemerken. Auch die Forderung nach lebenslanger Gratis-Schulbildung und einem garantierten Mindestlohn für Schwarze sucht man heute vergeblich. Dafür stehen so wohlklingende wie schwammige Bekenntnisse zu Diversität, forcierter Gerechtigkeit, Empathie und Verständigung der Generationen im Vordergrund.

Insgesamt gesehen „(bleibt) die Bewegung (...) undurchsichtig“. Muss sie doch mittlerweile Rücksichten auf potente Sponsoren nehmen, die unter anderem für ihre engen Beziehungen zur Wall Street und zu US-Geheimdiensten bekannt sind und die Bewegung für ihre Ziele einzuspannen versuchen. Allein 2016 konnte BLM 100 Millionen US-Dollar unter anderem von der Ford Foundation der CIA“, und von anderen politisch rechten Stiftungen einsammeln. Natürlich nahm sich auch private Unternehmen und Milliardäre ihrer an und spendeten Millionen US-Dollar — alle zusammen Repräsentanten eines aggressiven US-Imperialismus, das sehr daran interessiert ist, in vielleicht anfänglich antikapitalistische Bewegungen einen Spaltpilz zu setzen und sie damit frühzeitig zu neutralisieren.
Dass „das im Kern rassistische Programm von ,,Black Lives Matter" (...) durch Stiftungen wie die Ford Foundation unterstützt wird, macht eines klar: Diese Organisationen haben nichts mit den wahren sozialen und wirtschaftlichen Problemen von Millionen von Arbeitern und jungen Menschen aller Hautfarben, Religion, Orientierung oder Ethnie zu tun. Sie sprechen für hochprivilegierte Schichten der Mittelklasse, die sich im Verteilungskampf innerhalb der obersten zehn Prozent der Bevölkerung befinden. (...) Es geht darum, die Arbeiterklasse zu spalten“.

Deshalb bleibt die Beteuerung zum Beispiel der Berliner Sektion von BLM naiv und ein frommer Wunsch: „Wir haben kein Interesse daran als Token missbraucht oder profitorientiert vermarktet zu werden“. Schließlich ist es doch noch immer so: Wer die Musik bestellt, bestimmt auch, was gespielt wird. Während der Antikapitalismus in der postkolonialen Fraktion in den Hintergrund trat, ist so mancher identitätspolitische Unsinn dagegen in den Vordergrund gerückt worden. Dabei erschöpfen sich die Diversitätsbekenntnisse zumeist im Ausschluss des hässlichen, fetten weißen Mannes, dem unterstellt wird, Grund allen Übels auf der Welt zu sein. Bleichgesichter dürfen nun nicht mehr im Sandkasten mitspielen.
Tatsächlich sind die Forderungen von postkolonialen Gruppen oft lächerlich und apolitisch. Durch variantenreiche Demütigungsrituale, Redeverbote und Zensurmaßnahmen soll den Bleichgesichtern deutlich gemacht werden, dass ihre Zeit der Vorherrschaft vorüber ist.

Die abstrusen Forderungen reichen - um nur einige Beispiele zu nennen - von einer Entfernung des „Kolonialisten“ Shakespeare aus US-amerikanischen Lehrplänen über ein Synchronisationsverbot nicht-weißer Filmfiguren durch ,,Weiße", ein Übersetzungsverbot von Texten ,,schwarzer" Autoren durch ,,weiße" Übersetzer, ein Redeverbot von ,,Weißen" in Gegenwart diskutierender ,,Schwarzer" bis hin zum Zwang, sich als ,,Weiße" strengen, erniedrigenden Verhaltensregeln zu unterwerfen, wollen sie an Demonstrationen Farbiger zugelassen werden.
Anstatt ein breites, machtvolles Bündnis mit gleichgesinnten Akteuren Klassen- und Hautfarbenübergreifend anzustreben, um den Rassismen in den bürgerlichen Gesellschaften die Stirn zu bieten, scheinen die identitätspolitischen Anti-Rassisten nicht zu bemerken, dass sie selbst ein neues Fass aufgemacht haben: nämlich den Rassismus gegen ,,Weiße".

Diese rächende Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Mentalität ist schlichtweg reaktionär und wird sich nicht als zielführend erweisen. Rassismus kann nicht durch einen „alternativen“ Rassismus bekämpft werden. Die Sponsoren jedenfalls - in der Mehrheit zumeist alte ,,weiße" Männer - wird’s freuen. Die reiben sich die Hände und lachen sich schief. Der Spaltpilz ist endlich aufgeplatzt, und seine Sporen haben sich in der Linken noch weiter verbreitet. Die Zeiten, in denen die Linke noch ein satisfaktionsfähiger und ernst zu nehmender, ja zu fürchtender Klassengegner war, sind lange vorbei.
Die postkolonialen Identitäts„linken“ sollten folgende Frage beantworten:
,,Was ist daran fortschrittlich, nun unter der identitätspolitischen Agenda eines kriegsgeilen US-Präsidenten Joe Biden einen schwarzen Kriegsminister und endlich weibliche Generäle zu haben?"

Menschen, welche die gleichen Ziele wie ihre ,,weißen" und männlichen Vorgänger verfolgen, nämlich Kriege anzuzetteln und zu führen, um die Welt unter dem Diktat des US-amerikanischen Imperialismus zu beherrschen und auszubeuten? Den Abermillionen von Obdachlosen allein in den USA, die mittlerweile teilweise wie Höhlenmenschen hausen müssen, ist es dagegen egal, welche Hautfarbe ihre Unterdrücker haben.
Eines eint sie allerdings: Sie sind arm, verelendet und ausgestoßen und können ihre Situation nur gemeinsam verändern - nicht gegeneinander! Oder anders ausgedrückt: Mir ist es völlig wurscht, ob ich von einem weißen, schwarzen, roten oder karierten Kapitalisten ausgebeutet werde; mir ist es wurscht, ob ich von einem Mann, einer Frau oder einem Transmenschen unterdrückt werde. Wurscht ist mir dabei nicht, welcher Klasse er oder sie angehört, das ist das Einzige, was mich interessiert.

Wer nach Meinung der Identitäts„linken“ ihre Pläne zu durchkreuzen versucht, ist ein Störenfried, den es möglichst auszuschalten gilt. Die aggressive Wucht, ja der Terror, mit der Kritiker und Andersmeinende angegangen werden, ist ein völlig neues Phänomen, das zeigt, wie groß das Zerstörungsinteresse ist, mit der die Angriffe vorgetragen werden. Konsensfindung Fehlanzeige. Ganz offen zielen sie auch darauf ab, Unternehmen, Redaktionen, Universitäten und kulturelle Institutionen mit gezielten Attacken unter Druck zu setzen und dazu zu bringen, ihnen missliebige Personen, die sich ihrer Meinung nach nicht politisch korrekt verhalten, sogar mit Berufsverboten zu belegen. Die ehemalige Co-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ist seit Jahren eine solche Persona non grata.
Sie ist wüstesten Angriffen und Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei ausgesetzt, mit dem Ziel, sie zu demontieren, was teilweise auch gelungen ist. Einen größeren Gefallen konnte die Linkspartei dem Regime nicht machen, stellte Wagenknecht doch aufgrund ihrer großen Popularität und Akzeptanz in der Bevölkerung eine ernst zu nehmende Gefahr für das herrschende und abgewirtschaftete politische Establishment und Bourgeoisie dar. Sie steht für eine klassische Linke im weitesten Sinn und kämpft bis heute gegen die feindliche Übernahme der Linkspartei durch bürgerliche, sich links dünkende Milieus wie die Identitäts„linke“ an, die die Organisation nach rechts verschieben wollen, um sie - so jedenfalls die Phantasie - aufgehübscht auf den Regierungskurs zu schicken.

Dies hat Wagenknecht zu einer Hassfigur gemacht, die es unter allen Umständen galt und gilt, vollständig auszuschalten. Seither setzen ihre Gegner in der Linken auf einen Dysphemismus, der sowohl von der Ampel als auch von den ihm anhängenden Medien seit den regierungskritischen Demonstrationen aufgrund Merkels „Migrationspolitik“ in die Welt gesetzt wurde: nämlich die Diffamierung der Teilnehmer alle samt als rechts, Nazis und AfD-nah.
Damals legte Wagenknecht bereits ein Veto ein und warnte davor, alle Teilnehmer über einen Kamm zu scheren und als Nazis zu diffamieren. Diese differenzierende Sicht brachte ihr allerdings nur Ärger ein, der noch größer wurde, als sie Merkels Schmierenkomödie der „offenen Grenzen“ entlarvte und die Forderung ihrer eigenen Partei nach „offenen Grenzen für alle“ als realitätsfern geißelte. Wenig verblüffend, dass Teile ihrer Partei — insbesondere die bildungslose verbürgerlichte Parteijugend — Merkel verteidigten, anstatt der Argumentation ihrer profilierten Frontfrau zu folgen.
Stattdessen fiel man ihr nach Kräften in den Rücken. Das Entzücken in den Medien war entsprechend groß. Wagenknecht wird seither als AfD-, sogar als Nazi-affin diffamiert, die Demagogie kennt keine Grenzen. Die haltlosen Vorwürfe sind natürlich nur ein Vorwand insbesondere für die Identitäts„linken“. Sie galt und gilt vielen ganz allgemein als Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden muss, weil sie sich dem neuen identitätspolitischen Kurs in der Partei verweigert. Alle Register wurden gezogen, um dieses Ziel zu erreichen: Zermürbung durch Mobbing, persönliche Diffamierung, Herabsetzung und Entstellung der politischen Positionen in der Öffentlichkeit durch Kipping & Co. Gesundheitliche Schäden der Angegriffenen wurden billigend in Kauf genommen.

Die Zensur-Kommandos sitzen in der eigenen „linken“ Partei und in den Redaktionen der staatstragenden Medien, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Identitäts„linke“ scheinen gar kein Interesse an einer Konsensfindung, an Bündnissen zu haben, um Ziele durchzusetzen. Im Gegenteil. Einigungen und Kompromisse werden nicht angestrebt und von vornherein verunmöglicht. Man mag das bedauern, aber es hat Methode. Sie wollen, dass ihre unverhandelbaren Dogmen widerspruchslos akzeptiert und befolgt werden, so schräg oder reaktionär sie auch sein mögen. Bei Nichtbefolgung wird die Keule ausgepackt.

Tatsächlich erkennen die Herrschenden das reaktionäre Potenzial linksliberaler Identitätspolitik, deren Entwicklung sie selbst angestoßen haben. Dazu aber später mehr. Willkommen ist die zersetzende Wirkung der Identitäts„linken“, die eine geschlossen handelnde Linke, die breite Bündnisse sucht, erst gar nicht aufkommen lassen.
Willkommen ist die Identitäts„linke“ auch beim Aufbau eines neoliberalen Systems. Als „Sprach-Polizei“ und „Türsteher ‚korrekter‘, das heißt fortan einzig gestatteter Sprech- und Schreibweise“ betreibt sie Desorientierung, die Sprach- und Denkzurichtung der Menschen und damit die angestrebte Durchsetzung der neoliberalen Ideologie. Willkommen ist ebenso die rücksichtlose Durchsetzungsfähigkeit der Identitäts„linken“, ihre Einschüchterungsversuche gegen Andersdenkende, die mit der Drohung einhergeht, im vorerst schlimmsten Fall sogar die berufliche Existenz zu verlieren.

Die „linke“ Identitätspolitik ist nicht nur angetreten, um politisches und „ideologisches“ Terrain einzunehmen. Mit zunehmendem Einfluss ist sie zugleich zu einem Beschaffungsprogramm für Jobs geworden. Identitäts„linke“ sind aufstiegswillig, es treibt sie, Teil des bürgerlichen Establishments zu werden, das gleiche Klientel, das die Linkspartei unter allen Umständen „bündnisfähig“ machen möchte, um im System endlich dazuzugehören. Identitäts„linke“ sind absolut systemkonform, ja opportunistisch und weit davon entfernt, grundlegende Veränderungen herbeiführen zu wollen. Der humane Anspruch ist lediglich eine Maske, hinter der sich knallhart das Gesicht des Totalitären und der Kampf um Pfründe innerhalb des bürgerlichen Establishments verstecken.
Umgekehrt kann „sich ein Teil der bürgerlichen, kapitalistischen Kräfte als LGBT-freundlich inszenieren (...), um sich ein liberales und progressives Image zu geben. Großkonzerne wie Apple oder Coca Cola, die Millionen von Arbeitern unter miesen Bedingungen ausbeuten, unterstützen LGBT-Kampagnen in ihrem Unternehmen, oder finanzieren völlig kommerzialisierte Regenbogenparaden. Die neoliberalen setzen sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ein und stimmen im nächsten Atemzug dem Zwölfstundentag zu.
Um die rege Wissensproduktion von radikal scheinenden, aber in Wahrheit für die Herrschenden völlig harmlosen Ideen zu fördern, fließen abertausende Euros in die Finanzierung von Gender-Studies-Professuren an Unis und Queer-Studies-Stipendien, während linksliberale Medien und Verlage wohlwollend Pro-Queer-Artikel und Romane veröffentlichen.

Diese Praxis hat letztlich den Ausbau des Überwachungskapitalismus zum Ziel. Und so bringen die Identitäts„linken“ nicht selten die abstrusesten Verschwörungstheorien in Umlauf, um sie anschließend bekämpfen zu können. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme könnte man das auch nennen.
Es geht bei dieser Strategie darum, seriöse Kritik mit verbreitetem Blödsinn zu vermischen, um Kritiker in die Ecke der Spinner zu schieben. Zudem soll verhindert werden, dass sich größere Teile der Gesellschaft dem berechtigten Protest anschließen, weil sie mit Radikalen nichts zu tun haben wollen. Abstruse Theorien sollen außerdem von den einflussreichen Kräften ablenken. Zur Durchsetzung von Macht und Herrschaft wird eine Parallel-Wirklichkeit hergestellt die, wie an einigen Beispielen dargestellt, mit der Realität auf Kollisionskurs steht. Da die Politik den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern vollkommen abgebrochen hat, besteht ihr einziges Bestreben darin, durch Zensur, Gleichschaltung und Propaganda die Meinungsfreiheit zu beseitigen, um so die eigene Parallel-Wirklichkeit zur einzig möglichen Realität zu erheben.

Aus einer produktiven Streitkultur, die früher zum Selbstverständnis der Linken gehörte, ist eine Diffamierungskultur geworden, deren Ziel es ist, Einzelpersonen, wenn sie nicht spuren, zu schaden. Ein Verfallsprozess, der sich durch die Identitätspolitik rasant beschleunigt hat.
Die Hilfe der Neoliberalen hat sich ausgezahlt, sie war eine erfolgreiche Investition in die Zukunft. Sie lehrt zugleich, dass dort kluge Leute mit Weitsicht sind, die man nie unterschätzen sollte. Sich als links Verstehende sollten sich dies stets hinter die Ohren schreiben. Schaut man sich den Zustand der heutigen Linken an.

von ASKL

Stalins verklärtes Erbe

Eine Aufarbeitung des Antistalinismus

Theoretisch sind Kommunisten, insbesondere Marxisten, Materialisten. Materialisten entscheiden auf der Grundlage von Beweisen über die Wahrheit oder Unwahrheit von Hypothesen. Doch in Bezug auf Generalissimus Iosef Wissarionowich Stalin und die sowjetische Geschichte während seiner Regierungszeit sind viele Marxisten in Wirklichkeit Idealisten, die Beweise zugunsten ihrer vorgefassten Meinungen ignorieren. In diesem Beitrag geht es um die Notwendigkeit von Objektivität in der Geschichtsforschung, um das Verhältnis von Praxis und Theorie und um Fakten, die für Idealismus und Antikommunismus in der ,,Linken'' kennzeichnend sind. 
Kommunisten müssen Materialisten sein. Der dialektische Materialismus ist eine Wissenschaft. Aber nur wenige Kommunisten handeln wie Materialisten. Die meisten ,,glauben''. Sie glauben Chruschtschow, sie glauben Gorbatschow, sie glauben Trotzki und sie glauben den westlichen antikommunistischen Akademikern, die über die sowjetische Geschichte schreiben und verklären. Die einzige Möglichkeit, bei einer Untersuchung zur Wahrheit zu gelangen, besteht darin, mit Objektivität vorzugehen. Ein Wissenschaftler versucht, objektiv zu sein, das heißt seine eigenen Vorurteile zu hinterfragen und nicht zuzulassen, dass diese Vorurteile – die jeder Mensch unweigerlich besitzt – die Ergebnisse seiner Analyse bestimmen. Es müssen Methoden entwickelt werden, um Beweise, welche die eigenen Vorurteile und vorgefassten Meinungen unterstützen, mit besonderer Skepsis betrachtet werden. Es müssen auch alle Beweise, welche den eigenen Vorurteilen und vorgefassten Meinungen widersprechen, besonders aufmerksam berücksichtigt werden, denn sonst erreicht man das Gegenteil. Unweigerlich werden Beweise, die bereits vorgefasste Meinungen stützen, besonders großzügig behandeln und Beweise, welche die vorgefassten Meinungen widerlegen, schnell zurückweisen. Man würde dem Bestätigungsfehler [auch als ,,confirmation bias'' bezeichnet] verfallen. Dann hat man überhaupt keine Chance, die Wahrheit zu entdecken, denn selbst wenn man über sie stolpern, würde man sie nicht erkennen. Antikommunisten und Pseudo-Linke können es sich nicht leisten, objektiv zu sein, weil die Beweise ihre Unwahrheiten und Erfindungen nicht stützen. Nur sehr wenige der akademischen Gelehrten, die über die sowjetische Geschichte der Stalinära schreiben, bemühen sich um Objektivität.

Diese Unwahrheiten über Generalissimus Stalin möchte ich hier mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln aufdecken und versuchen, den Menschen die Tatsachen zu vermitteln. Stalinisierung bedeutet eine Aufklärung der Menschen, eine Erklärung, was Josef Stalin machen wollte, was ihm gelang, und wer seine Reformen warum hintertrieb. Ohne Aufdeckung der Lügen über Iosef Wissarionowich Stalin und die Geschichte der UdSSR in jener Periode ist eine Stalinisierung nicht möglich. Generalissimus Iosef W. Stalin ist heute für all jene wertvoll und teuer, für die solche Begriffe wie Gerechtigkeit keine leeren Phrasen sind.
Die Lügen über Iosef Wissarionowich Stalin und die UdSSR sind entstanden, um die Autorität des Staatsoberhauptes der Sowjetunion zu schädigen, um die Menschen von jeglichem Versuch abzuhalten, die Natur der Ereignisse und die Rolle des Generalissimus Stalins in jener Periode zu durchdenken, welche im Verlaufe seines Lebens geschahen. Diese Lügen sind nicht gegen Iosef W. Stalin oder seine Verwandten gerichtet, sondern in erster Linie gegen die russische Bevölkerung. Mit den Lügen darüber wird versucht, die Russen (und zusammen mit ihnen all jene Völker, die zusammen mit dem Russen als erste in der Welt eine Gesellschaft frei von Parasiten aufbauten) der Fähigkeit zu berauben, den äußeren wie auch inneren Bedrohungen zu widerstehen. Die Lügen über Iosef Wissarionowich Stalin sind ein von den kriminellen und kapitalistischen Elementen geschaffener Virus, der den Schutzmechanismus eines Volkes zerstört, welcher für das Erkennen von Gefahren verantwortlich ist. Und letzten Endes sind die Lügen darüber auch ein Versuch der jetzigen Eliten, den Raub all des Guten zu rechtfertigen, welches vom sowjetischen Volk hervorgebracht und vermehrt wurde.

Sieben Gründe, warum Generalissimus Stalin so sehr verklärt wird:
1. Generalissimus Stalin stand auf der Seite des Werktätigen. Deshalb verachten ihn vor allem diejenigen, die nicht auf deren Seite stehen, die von der Ausbeutung des werktätigen Volkes leben. Für sie ist das wichtigste der Reibach, der Profit, die Marge und alles, was sie dabei absahnen können, wenn andere für sie arbeiten. Und für sie ist das Volk immer nur das Arbeitsvieh, es sind die Lohnsklaven, ohne die sie nicht leben könnten, weil das ihnen keinen Gewinn brächte. 
2. Iosef Wissarionowitsch Stalin war ein unermüdlicher Arbeiter, und dass er die Nichtstuer und Schmarotzer nicht mochte. Er zwang sie, zu arbeiten und verfolgte sie wegen ihres Schmarotzertum. Deshalb hassen alle Nichtstuer und Faulenzer ihn. Weil sie nicht arbeiten wollen und keine gesellschaftlich nützliche Tätigkeit vollbringen. Sie wollen nur konsumieren, essen und sich amüsieren, soviel wie möglich und das möglichst auf fremde Kosten.
3. Er war ein ehrlicher Mensch. Er hielt sein Wort, sogar seinen Feinden gegenüber. Gewissenhaft erfüllte er die Beschlüsse des Kollektivs, und wenn etwas verabredet und beschlossen war, so hielt sich Stalin auch an die Verabredung. Er strebte nach einer strengen Erfüllung der Aufgaben und der Aufträge der Werktätigen. Er forderte Ehrlichkeit von allen Leitern, bei seinen Untergebenen mochte er keine Lügner und Betrüger. Natürlich hassen ihn alle Lügner deshalb. Doch am meisten hassen ihn die Lügner und Verbreiter von Falschmeldungen der Medienanstalten, die seit langem gewittert haben, dass es jetzt am besten ist, mit Schwindelei und Boshaftigkeiten Karriere zu machen und Geld zu verdienen. Stalin hätte sie daran gehindert, zu lügen, und deshalb verachten sie ihn.
4. Für seine Gegner wäre es furchtbar, wenn Stalin zurückkehren und man alle die Verräter, Banditen und Gauner erkennen würde. Sie verachten Stalin und sie fürchten sich sogar vor seinem Porträt, weil sie sich vor der Stalinschen Vergeltung fürchten. Wenn man sie in den Krieg schicken würde, dann würden sie, um ihre Haut zu retten, zu den Faschisten überlaufen und zu Denunzianten, Polizisten und Henkern werden.
5. Stalin respektierte die Menschenrechte, und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Wirklichkeit. Und es war völlig normal, dass Stalin den Menschen kostenlosen Wohnraum zur Verfügung stellte, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten bauen ließ. Dabei arbeitete der Mensch und bekam für seine Arbeit einen erhöhten Lohn und die Fahrtkosten, ein einfacher Mensch konnte sogar zum Ministers aufsteigen. Die heutigen Bürgerrechtler, die allein durch ihre Schandtaten, durch Verleumdung, Unterstellung und Vetternwirtschaft aufgestiegen sind, hassen natürlich Stalin, weil er das Volk nach den Menschenrechten behandelte und die Rechte des arbeitenden Volkes auf natürliche Weise durch die Sowjets direkt gewährleistete und nicht durch käufliche Gerichte und eine korrumpierte Bürokratie. Dafür, dass er den Gaunern die Möglichkeit entzog, sich zu bereichern, hassen ihn auch die ehrwürdigen Bürgerrechtler, die von westlichen Almosen großgezogen wurden. 
6. Die einfachen und klaren Regeln der staatlichen Rechnungsführung und Kontrolle brachten jede gestohlene Münze, jeden Schwindel, jeden Betrug des Volkes leicht an den Tag. Bei Stalin konnte auch keine Rede sein von einem großen Diebstahl, und es war auch im staatlichen Maßstab einfach unmöglich zu stehlen oder sich am Volkseigentum zu vergreifen. Für einen Eimer Weizenähren wurde in den Hungerjahren ein realer Festpreis gezahlt. Spekulation war unmöglich, der Verkaufspreis der Ware blieb vom Produzenten bis zum Konsumenten unverändert. Wucher, fette Bankgeschäfte, Börsenhandel und Pyramidengeschäfte waren untersagt. Insolvenzbetrug und der Verkauf der Luft waren unmöglich. Deshalb hassen die Diebe, die Langfinger und Gauner, die korrupten Beamten und Plünderer am Staatseigentum aller Coleur und Schattierung Stalin voller Ingrimm. Das ist verständlich, denn bei Stalin durfte man nicht stehlen.
7. Stalin war Internationalist. Er war ein echter Georgier und er kannte die nationale Frage genau, er verbot den Antisemitismus, doch er liebte das russische Volk und hielt es für ein großes und ehrenwertes Volk in der Welt. Deshalb verachten alle Nationalisten, Faschisten und Rassisten Stalin, und sie alle, welche die nationale Frage nicht verstehen, versuchen ihre Clan- und Stammesfragen sowie ihren lokale Egoismus auf Kosten der übrigen Völkern zu lösen.

Kommunisten, welche die Geschichte, das heißt, die Praxis des ersten sozialistischen Staates, der UdSSR, während seiner dynamischsten Periode, nämlich der ,,Stalin''-Periode zwischen 1929 bis 1953, nicht kennen, die ihre Interpretation der Sowjetunion auf antikommunistischer Propaganda stützen, können nicht aus der kommunistischen Bewegung der Vergangenheit lernen, weil sie nicht wissen, was die Praxis dieser Bewegung wirklich war. Sie haben unkritisch eine falsche und verleumderische Version dieser Praxis aus den Schriften von Leo Trotzki, von Nikita Chruschtschow, von Gorbatschow, sowie von westlichen antikommunistischen Schriftstellern und Akademikern übernommen.
Solche selbsternannten ''Kommunisten'' oder ''Linke'' richten Schaden an, indem sie den Status eines ,,Linken'' oder ,,Kommunisten'' für sich beanspruchen, während sie innerhalb der Linken Unwahrheiten über die sowjetische Geschichte verbreiten. Damit führen sie jüngere oder naive Menschen, die, angewidert vom Kapitalismus, lernen wollen, wie man für den Kommunismus kämpft, auf fatale Weise in die Irre. Das gilt auch für alle Trotzkisten, denn ihr Geschichtsverständnis beruht auf dem ''Glauben'' an antikommunistische Propaganda über Stalin und die UdSSR zu seiner Zeit und auf ihrer Hingabe an das, was einem Kult um Leo Trotzki gleichkommt. 
Man stelle sich einmal vor, Stalin hätte mit seiner Entourage in nur einem Jahrzehnt die Sowjetunion aus dem Mittelalter in die Neuzeit navigiert, anschließend die Wehrmacht vernichtend geschlagen und im Anschluss daran das Land binnen fünf Jahren wieder auf Vorkriegsniveau gebracht – und das Ganze ohne eine „Unzahl“ von Opfern, die natürlich ein riesiges Ausmaß annehmen muss, damit auch der skrupelloseste Genosse, moralisch bis ins Mark erschüttert, niemals mehr aus der Frage entlassen wird: „War es die Sache wert?“ 

In diesem Beitrag wird auf jene Zahlen und Fakten hingewiesen, die als „Hintergrundstrahlung“ der „Stalinismus“-Debatte immer mitschwingen – ob man sich auf sie explizit bezieht oder nicht: Es handelt sich um die „Opfer des Stalinismus“, deren vermutete Zahl den zumeist völlig unreflektierten Ausgangspunkt einer solchen Debatte bildet; unreflektiert deshalb, da es an erster Stelle die Frage des Gegners ist, an der man (Kommunist) sich abarbeitet, dabei unmerklich bis unweigerlich in eine völlig metaphysische, moralisierende Diskussion gerät – und in jene Defensive, in die eigentlich der Gegner gehört, der es bis heute nicht eingestehen kann, dass die Sowjetunion unter Stalin dem imperialistischen Lager seine bisher größten und schmachvollsten Niederlagen beigebracht hat. 

Nach Vernachlässigung des ideologischen Wortgefechts um den Stalinismus-Begriff bleibt als Kern: die Anzahl der Opfer. Im folgenden wird sich mit dem hierzu vorliegenden Datenmaterial beschäftigt, wie es insbesondere von Mario Sousa, Parteimitglied der schwedischen KPML, zusammengetragen wurde. Nach Öffnung der Archive des Zentralkomitees der KPdSU erschienen im Jahre 1990 einige wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema, die in der Weltöffentlichkeit kaum Beachtung fanden – anders als etwa das berüchtigte „Schwarzbuch des Kommunismus“ (Stephane Courtois et al., Frankreich 1997), das die „Stalin-Opfer“ auf bis zu 20 Millionen hochrechnet (interessanterweise entspricht diese Zahl in etwa den russischen Kriegsopfern im Zweiten Weltkrieg) oder ähnlich illustre Literatur, die nach dem „Wer bietet mehr?“-Paradigma operiert.

Bevor die aufgedeckten statistischen Daten genauer betrachtet werden, sei zunächst ein kurzer Blick auf die Entstehungsgeschichte des Antistalinismus beziehungsweise Antikommunismus geworfen. Wie bereits 1925 in Hitlers „Mein Kampf“ angekündigt, galt die Ukraine als die „Kornkammer“ für das „Volk ohne Raum“ und damit als eines der wichtigsten Kriegsziele des deutschen Faschismus im Osten. Um den kriegerischen Feldzug propagandistisch vorzubereiten, startete Goebbels eine Hetzkampagne gegen die Bolschewiken der Ukraine, die angeblich ihr Volk einer bewusst von Stalin provozierten Hungerkatastrophe auslieferten. Die faschistische OUN unter Federführung von Stepan Bandera waren dabei nützliche Handlanger des NS-Regimes. Die Kampagnen erwiesen sich allerdings als allzu durchsichtig im Hinblick auf die dahinter stehenden faschistischen Kriegsziele. Auch einige britische und US-amerikanische Autoren oder Unternehmer wie Conquest oder Hearst verbreiteten bereitwillig diese Antikommunistische Propaganda, wodurch im Westen ein grundsätzlich negatives Bild des Kommunismus, der UdSSR und des Generalissimus Stalins gezeichnet und etabliert wurde.

Auch ist bekannt, dass der Beginn der dreißiger Jahre von heftigen Auseinandersetzungen auf dem Lande geprägt war: Arme, landlose Bauern revoltierten gegen die Kulaken, reiche Landbesitzer, um die Bildung von Kolchosen durchzusetzen. Ein großer Teil der Kulaken wiederum versuchte seinerseits die Einbringung seines riesigen Privateigentums an Boden und Landwerkzeugen in die Kolchosenwirtschaft zu verhindern – indem man Vieh tötete, durch Sabotageaktionen oder durch gezielte Unterwanderung der Kolchosen. Insgesamt waren 120 Millionen Bauern in diese heftigen Klassenkämpfe verwickelt. Die Partei hatte dabei die extrem schwierige Aufgabe, die Massenbewegung zur Enteignung der Kulaken in geordnete Bahnen zu lenken und zugleich die Landfrage als Klassenfrage grundsätzlich zu lösen (also die Enteignung der Kulaken durchzusetzen). Insbesondere die Zusammenstöße mit rechten Nationalisten in der Ukraine führten zu heftigen Nahrungsmittelengpässen. Die Kulaken unterstützen teilweise vom Exil aus die antikommunistischen Erzählungen über Millionen Todesopfer.

Als der damals amtierende sowjetische Generalsekretär Michail Sergejewich Gorbatschow 1990 die Archive des Zentralkomitees der KPdSU für historische Studien öffnen ließ, geschah etwas ungewöhnliches: Die so lange Zeit ersehnte Öffnung der Archive, die allen Todesopferspekulanten die endliche Bestätigung ihrer mühsamen Rechnereien verheißen hatte, wurde plötzlich mit völligem Desinteresse und Grabesstille in den Medien quittiert. Die Forschungsergebnisse, welche die russischen Historiker Wiktor Nikolajewich Semskow, Aleksander Nikolajewich Dugin und Oleg Witaljewich Chlewnjuk seit 1990 in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vortrugen, blieben völlig unbeachtet. Die Forschungsergebnisse gelangten nie über die engen professionellen Kreise der Fachzeitschriften hinaus und waren damit nicht in der Lage, den allgemeinen Opfermythos der großen Medien auch nur anzureißen. 
Auch im Westen wurden die Ergebnisse der Archivöffnung ignoriert und fanden sich weder in den großen Blättern der Zeitungen noch in irgendeinem Fernsehsender. Die linke Presse zeigte ebenfalls wenig sichtbares Interesse an den Forschungsergebnissen, nicht zu reden von offizieller Revidierung bis dato unkritisch verbreiteter Propaganda zum Thema „Verbrechen des Stalinismus“. Woran liegt das? Der offizielle Bericht über das sowjetische Strafsystem umfasst beinahe 9.000 Seiten. Es haben viele Autoren daran mitgearbeitet, zu den bekanntesten zählen die genannten russischen Historiker Semskow, Dugin und Chlewnjuk. Im Westen wurde der Bericht als Ergebnis der Zusammenarbeit von Forschern aus verschiedenen westlichen Ländern vorgestellt. Die Daten, auf die sich Mario Sousa bezieht und die wie eingangs erwähnt das eigentliche Thema dieses Artikels sind, wurden im Jahre 1993 veröffentlicht.

Mario Sousa weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass keiner der beteiligten Forscher dem sozialistischen Lager zuzurechnen ist, es sich vielmehr um bürgerliche, zum Teil offen reaktionäre Historiker handelt – mit dem entscheidenden Unterschied allerdings, dass diese ihre wissenschaftliche Integrität über jede ideologische Befangenheit stellen, soll heißen keine Datenfälschung im Interesse ihrer ideologischen Orientierung beziehungsweise ihres Geldbeutels betreiben. So geben die Daten Auskunft zu den folgenden Fragestellungen: 

-Bestandteile des sowjetischen Strafsystems
-Anzahl der politischen und nicht-politischen Gefangenen-Anzahl der Todesopfer in den Arbeitslagern
-Anzahl der Todesurteile vor 1953, insbesondere in den Säuberungen der Jahre 1937-38
-durchschnittliche Dauer der Gefängnisstrafen 
 
Ab 1930 zählten zum sowjetischen Strafsystem Gefängnisse, die Arbeitslager und Arbeitskolonien des Gulag sowie spezielle offener Vollzug und Geldstrafen. Die Untersuchungshaft fand in den normalen Gefängnissen statt. Die Strafen bei einem Schuldspruch reichten von einer Geldstrafe in Form eines bestimmten Prozentsatzes vom Lohn für einen definierten Zeitraum über eine Haftstrafe bis hin zum Todesurteil. In die Arbeitslager wurden jene geschickt, die ein schweres Verbrechen begangen hatten (Mord/Totschlag, Raub, Vergewaltigung, Wirtschaftskriminalität etc.), sowie ein großer Teil der wegen konterrevolutionärer Aktivitäten Verurteilter. Auch jene, die zu mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurden, konnten in Arbeitslager geschickt werden. Umgekehrt konnten Gefangene nach einer bestimmten Zeit im Arbeitslager in eine Arbeitskolonie oder in einen speziellen offenen Bereich überführt werden.
Im Jahr 1940 gab es 53 Arbeitslager, in denen die Inhaftierten in großen Gebieten unter strenger Aufsicht arbeiteten. Es gab 425 Arbeitskolonien, also viel kleinere Einheiten als die Arbeitslager, mit einem freieren Reglement und weniger Aufsicht. Hierhin kamen Gefangene mit kürzeren Haftstrafen, deren Verbrechen bzw. politische Vergehen weniger schwerwiegend waren. Sie arbeiteten als gleichberechtigte Bürger in Fabriken oder auf dem Land und bildeten einen Teil der Zivilgesellschaft. In den meisten Fällen gehörte der gesamte Arbeitslohn dem Gefangenen, er war damit seinen Kollegen gleichgestellt. Die speziellen offenen Bereiche waren in der Regel landwirtschaftliche Gebiete, in die Kulaken verbannt wurden, die im Zuge der Kollektivierung enteignet worden waren. Außerdem kamen dorthin auch Gefangene, die minderschwere Verbrechen begangen hatten. 
Die nachfolgende Tabelle unter Berufung auf „Custodial Population 1934-1953“ (Bevölkerung in Gewahrsam in der UdSSR 1934-1953), The American Historical Review“ gibt eine Übersicht über die in den jeweiligen Lagern bzw. Gefängnissen zwischen 1934 und 1953 Inhaftierten, darunter den Anteil der wegen politischer Verbrechen Verurteilten sowie alle Todesopfer:
Aus diesen Zahlen lässt sich eine Reihe von Schlussfolgerungen ableiten: Zunächst kann man sie mit den Daten von Robert Conquest vergleichen. Wir erinnern uns, dass nach Conquests Behauptung im Jahre 1939 12 Millionen politische Gefangene in den Arbeitslagern gewesen und davon drei Millionen in der Zeit von 1937 bis 1939 ums Leben gekommen sind. Und Conquest spricht in diesem Zusammenhang ausschließlich von politischen Gefangenen! Im Jahre 1950 gab es nach Conquest ebenfalls zwölf Millionen politische Gefangene. Wie man nun ersehen kann, stimmen seine Daten nicht einmal entfernt mit den recherchierten Archivdaten überein. 1939 betrug die Gesamtzahl aller Gefangenen in allen Formen des Gewahrsams insgesamt zwei Millionen. Von diesen waren 454.000 politischer Verbrechen für schuldig befunden – nicht zwölf Millionen wie Conquest behauptet, und rund 165.000 starben zwischen 1937 und 1939 im Arbeitslager – nicht etwa drei Millionen; das sind in diesem Zeitraum 5,3% aller Arbeitslagerinsassen. Zum leichteren Überblick: 
Insgesamt lebten im angegebenen Zeitraum 2,5 Millionen Sowjetbürger in Gefangenschaft, d.h. 2,4% der erwachsenen Bevölkerung – sicherlich keine geringe Zahl und ein Indikator für die noch bestehenden Widersprüche in der Gesellschaft. Trotzdem lag die Zahl noch unter der der imperialistischen Hauptmacht. Ein Vergleich mit den Daten aus den USA: 1996 gab es im reichsten Land der Welt 5,5 Millionen Gefangene, also 2,8% der erwachsenen Bevölkerung. Nun zur Frage der Todesopfer. Der prozentuale Anteil der im Arbeitslager Verstorbenen variiert im angegebenen Zeitraum zwischen 0,3% und 18%. Die Todesursachen waren im wesentlichen auf die allgemeine Mangelsituation im Lande zurückzuführen, insbesondere die medizinische Versorgungslage zur Bekämpfung von Epidemien. Das betraf damals allerdings wie erwähnt nicht nur die Sowjetunion, sondern auch alle entwickelten Länder. Erst mit der Erfindung des Penicillin während des Zweiten Weltkrieges wurde ein wirksames Mittel gegen ansteckende Krankheiten geschaffen. Tatsächlich waren es wiederum die Kriegsjahre, in denen die Hälfte aller Todesfälle im untersuchten Zeitraum zu verzeichnen war. Nicht zu vergessen die 25 Millionen Todesopfer, die „in Freiheit“ starben. Der systematische Rückgang der Todesopfer nach dem Zweiten Weltkrieg (nominal und prozentual) ist denn auch auf die verbesserte medizinische Versorgung zurückzuführen. 

Der britische Autor Robert Conquest behauptet, die Bolschewisten hätten zwölf Millionen politische Gefangene in den Arbeitslagern zwischen 1930 und 1953 getötet. Davon sei eine Million bei den Säuberungen 1937 und 1938 umgekommen. Solschenizyn spricht gar von zig Millionen Toten in den Arbeitslagern, davon drei Millionen allein 1937/38. Diese Zahl wurde im Zuge der „Wer bietet mehr?“-Kampagne unter Gorbatschow noch weit übertroffen. So nennt die Russin Olga Schatunowskaja etwa sieben Millionen Tote während der 1937/38 Säuberungen. Die Daten aus diversen Archiven sprechen hingegen eine andere Sprache: Man muss dabei berücksichtigen, dass die Forscher sich verschiedener Quellen bedienten und diese miteinander abglichen. Dabei sind Doppelzählungen sehr wahrscheinlich. So wurden beispielsweise nach Dimitrij Wolkogonow, der von Jelzin als Verantwortlicher für die Sowjetarchive ausersehen, 30.514 Personen bei Militärtribunalen in den Jahren vom 01.10.1936 bis 30.09.1938 zum Tode verurteilt. Eine andere Zahl stammt vom KGB: Nach Informationen, die im Februar 1990 der Presse freigegeben wurden, sind in den 23 Jahren zwischen 1930 und 1953 786.098 Menschen wegen Verbrechen gegen die Revolution zum Tode verurteilt worden, davon 681.692 in den Jahren 1937 und 1938. Diese Zahlen bedürfen allerdings noch der genaueren Überprüfung. Nach den vorliegenden Daten aus den Archiven schätzt Mario Sousa die Zahl der tatsächlich vollstreckten Todesurteile 1937-38 auf ca. 100.000. Viele Todesurteile seien in Haftstrafen umgewandelt worden beziehungsweise basierten auf Verbrechen wie Mord oder Vergewaltigung. Schließlich bleibt noch die Frage nach der durchschnittlichen Dauer der Strafe in einem Arbeitslager. Die antikommunistischen Propagandisten erwecken den Eindruck, dass ein Strafgefangener normalerweise das Arbeitslager nicht überlebte oder endlos lange gefangen gehalten wurde. Es zeigt sich jedoch, dass die Strafzeit in der Stalinzeit für den größten Teil der Gefangenen maximal 5 Jahre betrug. So erhielten nach der American Historical Review 82,4% der gewöhnlichen Kriminellen im Jahre 1936 Haftstrafen von bis zu 5 Jahren und 17,6% zwischen 5 und 10 Jahren. Von den politischen Gefangenen erhielten 44,2% Haftstrafen bis zu 5 Jahren und 50,7% zwischen 5 und 10 Jahren. Für 1939 liegen von sowjetischen Gerichten folgende Zahlen vor: 95,9% bis zu 5 Jahre, 4% zwischen 5 und 10 Jahre und 0,1% über 10 Jahre.

Was die Kulaken betrifft, so wurden 381.000 Familien, also 1,8 Millionen Menschen im Zuge der Enteignung in die Verbannung geschickt, wovon der kleinere Teil Arbeit in den Lagern oder Kolonien verrichten musste. Aufgrund heftiger Klassenauseinandersetzungen zwischen den Kulaken und den ärmeren Bauern, die schließlich darin gipfelten, dass die Großbauern Kolchosenhöfe überfielen, Bauern und Parteiarbeiter töteten, Felder anzündeten und Vieh abschlachteten, um Hungersnöte zu provozieren, wurden schließlich 1,8 Millionen der 10 Millionen Kulaken verbannt oder verurteilt. Bei diesen Klassenzusammenstößen waren wie erwähnt 120 Millionen Menschen involviert, sodass mit Sicherheit in diesem Zusammenhang auch manche Ungerechtigkeiten geschehen sind.

Die Moskauer Prozesse 1937 waren der Endpunkt langjähriger Auseinandersetzungen mit Trotzki und seinen Anhängern, die die Beschlüsse des Zentralkomitees kritisierten, umgingen, sabotierten und grundsätzlich nicht die innerparteilichen Mehrheitsverhältnisse akzeptierten. Das führte schließlich zu Kampfmitteln jenseits offizieller Diskurse: Industriesabotage, Spionage für den potentiellen Kriegsgegner (Deutschland, Japan) und schließlich Landesverrat (Vereinbarungen zwischen Leo Trotzki und der deutschen Reichswehr bzw. Reichsregierung über die Abtretung großer Landesteile der Sowjetunion im Falle einer Naziinvasion, Umsturz der bestehenden und Ersetzung durch eine trotzkistische Regierung. 
Eine weitere Verschwörung fand in der Armee um Marschall Tuchatschewsky statt, die eine Säuberung in der Roten Armee nach sich zog. Auch hierzu liegen von Conquest Horrorzahlen vor: Danach wurden 15.000 Offiziere und 20.000 Kommissare (wovon die Hälfte der angeblich 70.000 Offiziere und politischen Kommissare der Roten Armee) gefangen genommen und entweder hingerichtet oder zu lebenslanger Haft in den Arbeitslagern verurteilt. Der Historiker Roger Reese gibt in seiner Arbeit „The Red Army and the Great Purges“ (Die Rote Armee und die großen Säuberungen) hingegen folgende Fakten: Im Jahre 1937 gab es 144.300 Offiziere und politische Kommissare in Armee und Luftwaffe und 282.300 im Jahre 1939. Während der Säuberungen 1937/38 wurden 34.300 Offiziere und Kommissare aus politischen Gründen entlassen. Bis zum Mai 1940 wurden allerdings 11.596 rehabilitiert und wieder in ihre Posten eingesetzt. Das heißt, zu den Entlassenen zählten 22.705 Offiziere und Kommissare (davon 13.000 Armeeoffiziere, 4.700 Offiziere der Luftstreitkräfte und 5.000 politische Gefangene). Das sind insgesamt 7,7% aller Offiziere und Kommissare, wovon wiederum nur ein geringer Teil als Verräter verurteilt wurde, während der Rest ins zivile Leben zurückkehrte.
Kommunisten und andere, welche die Wahrheit über die sowjetische Geschichte der Stalinzeit erfahren wollen, sollten jede Darstellung als Propaganda zurückweisen, die durch ihre Rhetorik, Moralisierung, belastete Sprache, Verunglimpfung usw. zeigt, dass der Autor nicht objektiv ist. Praktisch alle Berichte, die die UdSSR als ''totalitär'' bezeichnen, sowie die Begriffe ''stalinistisch'' oder ''Stalinismus'' verwenden, die Stalin als ''Diktator'' bezeichnen, die behaupten, die UdSSR sei durch ''Terror'' regiert worden oder die den Begriff ''Großer Terror'' verwenden, die den GULAG als ''Todeslager'' oder die Gefangenen als ''Sklaven'' bezeichnen oder die behaupten, kapitalistische, imperialistische Staaten seien ''Demokratien'', sollte man als Propaganda anzusehen. Alle Arbeiten, die in irgendeiner Weise versuchen, die Sowjetunion der Stalinzeit mit Hitlerdeutschland beziehungsweise Stalin mit Hitler zu vergleichen, sollten als Propaganda abzulehnen und als NS-Verharmlosung zu betrachten. Die geheime Kollaboration Leo Trotzkis mit den Nationalsozialisten und den Japanern wurde während der Moskauer Prozesse in den 1930er Jahren aufgedeckt. Diese Kollaboration wurde unter dem Einfluss der Lügen Chruschtschows und Gorbatschows über Generalissimus Stalin geleugnet. Nun aber hat man zahlreiche Beweise für Trotzkis Kollaboration. Trotzkistische Darstellungen über die UdSSR, Lenin, Stalin, den ,,Sozialismus in einem Land'' oder über Trotzki selbst, sind zu vermeiden. Kein Trotzkist stellt den ,,Personenkult'' um Trotzki selbst in Frage. Trotzkisten streben per definitionem nicht nach Objektivität und fallen daher der Voreingenommenheit zum Opfer. Alle sogenannten ''kommunistischen'' Theorien, die nicht auf Beweisen beruhen, sollten gemieden werden. Alle Theorien, die auf den Chruschtschow- und Nach-Chruschtschow-Lügen über die sowjetische Geschichte der Stalinzeit beruhen, sollten als Propaganda betrachtet werden. Sicher, es mag eine Nadel der Wahrheit im Heuhaufen der Behauptungen geben, aber es wird zu lange dauern, sie zu finden, wenn sie überhaupt da ist. Nur eine Theorie, die sich auf ein genaues Verständnis der Geschichte der UdSSR während der Stalinjahre stützt, kann jenen, die aus den Erfolgen und Misserfolgen der Sowjetunion lernen wollen, einen Nutzen bringen. 

Man sollte sich in Erinnerung rufen, warum es diese ganze antikommunistische, antistalinistische Propaganda überhaupt gibt. Sie existiert aufgrund der Errungenschaften der Stalinjahre in der UdSSR. Um nur ein paar zu nennen: die Kollektivierung der Landwirtschaft, die den mehr als tausend Jahre währenden Zyklus verheerender Hungersnöte und der Armut unter den Bauern beendete; die Industrialisierung, die in kaum mehr als einem Jahrzehnt und ganz ohne ausländische Investitionen erreicht wurde und sich allein auf die sowjetische Arbeiterklasse und Bauernschaft stützte; 
die Niederlage der Nazihorden und ihrer Verbündeten; die weltweite Verbreitung der kommunistischen Bewegung; der Kampf gegen den Rassismus; der Kampf gegen die Diskriminierung der Frauen; die Versorgung aller Arbeiter mit preiswertem Wohnraum, preiswerten öffentlichen Verkehrsmitteln, kostenloser Bildung, kostenloser Hochschulbildung, Jahresurlaub, allgemeiner medizinischer Versorgung, Alters- und Hinterbliebenenrenten; der erfolgreiche Kampf gegen den Imperialismus der so genannten ''demokratischen'' kapitalistischen Länder; der große Aufschwung der gewerkschaftlichen Organisierung der Arbeiter in den Industrieländern; der Zwang für die kapitalistischen Staaten, ein gewisses Maß an Sozialleistungen für die arbeitende Bevölkerung bereitzustellen, um die Anziehungskraft der kommunistischen Bewegung zu schwächen. Und man muss sich fragen, warum bis heute, wenn ältere Russen oder Menschen in den ehemaligen Sowjetrepubliken befragt werden, welche historischen Persönlichkeiten sie am meisten bewundern, immer Iosef Wissarionowich Stalin an erster Stelle steht. Dies sind nur einige der Gründe, warum pro-kapitalistische Autoren die sowjetische Geschichte der Stalinzeit verfälschen, verzerren und schlichtweg lügen. Niemand, der sich für einen Linken oder insbesondere einen Kommunisten hält, sollte dieses falsche Narrativ unterschreiben oder verbreiten. Auch die Bolschewiki unter Stalin und Lenin haben Fehler gemacht. Fehler sind bei allen menschlichen Unternehmungen unvermeidlich, denn ''Versuch und Irrtum'' sind das Herz und die Seele der wissenschaftlichen Methode. In diesem Sinne ist ''Irrtum'' kein Fehler, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erforschung und Beherrschung der Wirklichkeit. Leider führten die Aktionen der Bolschewiki zwar zu großen Errungenschaften, aber ihre Fehler führten auch dazu, dass diese Errungenschaften abstumpften und abgebrochen wurden und sich nur teilweise erfüllten. Letztendlich führten diese Fehler dazu, dass Leute wie Nikita Chruschtschow und seine Nachfolger an die Macht kamen, die den Kampf für den Kommunismus aufgaben. Schließlich führten sie zur Umkehrung der Errungenschaften der Oktoberrevolution und zum Rückfall in den ausbeuterischen Kapitalismus in allen Ländern, die einst sozialistisch waren oder die, wenn auch unvollkommen, nach Sozialismus und Kommunismus strebten. Man muss aus den Erfolgen als auch aus den Misserfolgen der kommunistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts lernen, wenn man es in Zukunft besser machen sollte. 

von ASKL